ME/CFS und Muskelschwäche: Forschung zum Natriumgehalt
Eine kleine Untersuchung aus der ME/CFS-Forschung fand einen erhöhten Natriumgehalt im Muskelgewebe. Das ist ein interessanter Forschungsbefund, aber noch kein Nachweis für die Ursache der Erkrankung und keine Grundlage für eine Salz- oder Kaliumtherapie.
Was wurde untersucht?
In der von der Charité veröffentlichten Forschungsarbeit wurden sechs Frauen mit ME/CFS mit sechs gesunden Kontrollpersonen verglichen. Mit einer speziellen Natrium-MRT untersuchte das Team die Wadenmuskulatur vor und nach einer kurzen Belastung. Der gemessene Natriumgehalt war bei den erkrankten Teilnehmerinnen erhöht; außerdem wurde ein Zusammenhang mit der Handkraft beschrieben.
Was lässt sich daraus ableiten?
Die Ergebnisse passen zu Hypothesen über veränderte Abläufe im Muskelstoffwechsel. Bei nur zwölf Teilnehmerinnen bleibt jedoch offen, wie gut sie auf andere Erkrankte übertragbar sind. Eine Gewebemessung beweist weder, dass eine erhöhte Salzaufnahme die Beschwerden verursacht, noch, dass ausschließlich Natrium innerhalb der Muskelzellen verantwortlich ist. Zusammenhang und Ursache müssen getrennt werden.
Keine Empfehlung zur Selbstbehandlung
In dieser Untersuchung wurden weder eine salzarme Ernährung noch Kaliumpräparate oder Elektrolytinfusionen als Behandlung getestet. Aus ihr lässt sich deshalb keine entsprechende Therapieempfehlung ableiten. Verändert Salz- und Flüssigkeitszufuhr oder Medikamente nicht aufgrund dieses Befunds auf eigene Faust. Ob eine individuelle Anpassung sinnvoll ist, hängt auch von Begleiterkrankungen und der ärztlichen Beurteilung ab.
Was bei ME/CFS im Alltag zählt
Post-Exertional Malaise (PEM) bezeichnet eine oft verzögerte und länger anhaltende Verschlechterung nach Belastung. Pacing soll helfen, innerhalb der persönlichen Energiegrenzen zu bleiben. Eine Heilwirkung ist damit nicht belegt. Auch Untersuchungen mit körperlicher Belastung können Beschwerden verschlechtern und müssen sorgfältig abgewogen werden.
Einordnung
Der Natriumbefund ist ein Ansatz für weitere Forschung. Eine etablierte Diagnosemethode oder nachgewiesene Behandlung von ME/CFS ist daraus bisher nicht entstanden. Weitere Untersuchungen müssen klären, welche Rolle diese Veränderungen spielen und ob sich daraus sichere wirksame Therapien entwickeln lassen.
Quellen und Stand
- Charité / Freie Universität Berlin: Forschungsarbeit zum muskulären Natriumgehalt
- IQWiG: Behandlung von ME/CFS
Redaktionell aktualisiert am 21. Oktober 2026.