Michi und das Geheimnis des großen Flughafens
Nach der Reise nach Brüssel freute sich Michi schon auf das nächste Abenteuer.
„Lina, wohin fliegen wir heute?“, fragte er beim Frühstück.
Lina grinste.
„Heute besuchen wir einen der größten Flughäfen Europas. Dort schauen wir uns an, was hinter den Kulissen passiert.“
„Dürfen wir auch die Flugzeuge aus der Nähe sehen?“
„Ja, wir bekommen sogar eine Flughafenführung.“
Michi sprang vor Freude auf.
„Das wird der beste Tag überhaupt!“
Nach einer kurzen Zugfahrt erreichten sie den riesigen Flughafen.
Schon am Eingang staunte Michi.
Überall rollten Koffer.
Große Anzeigetafeln zeigten Flüge aus der ganzen Welt.
Menschen aus vielen Ländern liefen durch die Hallen.
„Hier ist vielleicht etwas los!“
Lina nickte.
„An einem großen Flughafen starten und landen jeden Tag Hunderte Flugzeuge.“
„Unglaublich!“
Kurz darauf begrüßte sie eine freundliche Flughafenmitarbeiterin.
„Willkommen zur Flughafenführung.“
Sie zeigte den Kindern zuerst den Kontrollturm.
„Von hier aus überwachen die Fluglotsen alle Flugzeuge.“
Michi schaute durch das große Fenster.
Auf dem Rollfeld bewegten sich Flugzeuge, Tankwagen und Gepäckfahrzeuge.
„Wie wissen die Piloten, wann sie starten dürfen?“
„Der Fluglotse gibt ihnen die Erlaubnis.“
„Also ohne Fluglotsen würde gar nichts funktionieren?“
„Ganz genau.“
Michi schrieb alles sorgfältig in sein Reisetagebuch.
Plötzlich hörte er mehrere Durchsagen gleichzeitig.
Menschen liefen vorbei.
Ein Baby weinte.
Ein Koffer fiel um.
Sein Kopf fühlte sich plötzlich wieder wie ein Flughafen an.
„Lina …“
Sie erkannte sofort, was los war.
„Zu viele Eindrücke?“
Michi nickte.
„Ja.“
„Dann machen wir unsere Drei-Minuten-Pause.“
Gemeinsam setzten sie sich auf eine ruhige Bank.
Michi schloss die Augen.
Er atmete langsam ein.
Und wieder aus.
Nach einigen Minuten fühlte er sich viel besser.
„Jetzt kann es weitergehen.“
„Du merkst inzwischen selbst, wann dein Gehirn eine Pause braucht“, sagte Lina stolz.
„Früher hätte ich einfach weitergemacht.“
„Und dann wärst du wahrscheinlich sehr müde oder traurig geworden.“
„Stimmt.“
Die Führung ging weiter.
Nun durften sie einen Feuerwehrwagen des Flughafens ansehen.
„Wow!“, rief Michi.
„Der ist riesig!“
Ein Feuerwehrmann erklärte:
„Unsere Fahrzeuge können ein Flugzeug in wenigen Minuten mit Wasser und Löschschaum erreichen.“
„Zum Glück braucht man sie nur selten.“
„Ganz genau.“
Anschließend besuchten sie die Gepäckhalle.
Unzählige Koffer fuhren über lange Förderbänder.
„Das sieht ja aus wie eine Achterbahn!“
„Jeder Koffer bekommt einen kleinen Barcode“, erklärte Lina.
„Dadurch weiß der Flughafen, in welches Flugzeug der Koffer gehört.“
„Dann finden sogar Millionen Koffer ihren Besitzer wieder.“
„Fast immer.“
Michi war begeistert.
Später fuhren sie mit einem kleinen Flughafenbus direkt an das Rollfeld.
Nun standen die riesigen Flugzeuge nur wenige Meter entfernt.
Ein Pilot winkte den Kindern sogar zu.
„Hallo!“
Michi winkte begeistert zurück.
„Vielleicht sitze ich später auch einmal dort vorne.“
„Das wünsche ich dir“, sagte Lina.
Ein Techniker zeigte den Kindern die Triebwerke.
„Diese Triebwerke erzeugen den Schub, damit das Flugzeug starten kann.“
„Wie schnell fliegt so ein Flugzeug?“
„Etwa 850 Kilometer pro Stunde.“
Michi staunte.
„Das ist ja unglaublich schnell.“
Mittags machten sie eine Pause.
Lina holte belegte Brote, Apfelscheiben und Trauben aus ihrem Rucksack.
„Heute kein Kühlschrank?“
„Nein“, lachte sie.
„Heute gibt es Flughafen-Picknick.“
Nach dem Essen beobachteten sie weiter die Starts.
Immer wieder hob ein Flugzeug ab.
Michi zählte laut mit.
„Eins … zwei … drei …“
Nach zwanzig Starts musste Lina lachen.
„Du wirst heute wohl keinen einzigen Flug verpassen.“
„Bestimmt nicht.“
Am Nachmittag durfte Michi sogar einmal im Flugsimulator sitzen.
Vor ihm leuchteten unzählige Instrumente.
„Bereit zum Start?“, fragte der Fluglehrer.
„Bereit!“
Ganz vorsichtig schob Michi den Schubhebel nach vorne.
Das Flugzeug beschleunigte.
„Jetzt leicht nach hinten ziehen.“
Langsam hob die Maschine ab.
„Ich fliege!“
Natürlich war alles nur eine Simulation.
Aber für Michi fühlte es sich fast echt an.
Nach einigen Minuten landete er das Flugzeug sicher.
Der Fluglehrer klatschte.
„Sehr gut gemacht.“
Michi strahlte.
„Das war das Tollste, was ich je gemacht habe.“
Bevor sie nach Hause fuhren, stellte Lina eine wichtige Frage.
„Weißt du, was heute deine größte Stärke war?“
„Nein.“
„Du hast gemerkt, wann du eine Pause brauchst.“
Michi dachte kurz nach.
„Früher hätte ich das gar nicht bemerkt.“
„Genau.“
„Jetzt kenne ich mein ADHS immer besser.“
„Und das hilft dir.“
Auf dem Heimweg fuhren sie mit dem Zug.
Michi war müde, aber glücklich.
Zu Hause angekommen wartete schon die letzte Überraschung des Tages.
Es klopfte leise an seiner Tür.
„Herein!“
Natürlich war es Lina.
Mit einem geheimnisvollen Lächeln stellte sie einen kleinen Teller auf den Nachttisch.
Darauf lagen Käsewürfel, Gurkenscheiben, Weintrauben, ein kleines Brötchen und zwei Kekse.
„Operation Kühlschrank erfolgreich abgeschlossen“, sagte sie grinsend.
Michi musste laut lachen.
„Du bist wirklich die beste Copilotin der Welt.“
Gemeinsam schauten sie sich noch einmal die Fotos des Tages an.
Der Kontrollturm.
Die großen Flugzeuge.
Der Flugsimulator.
Der Feuerwehrwagen.
„Heute habe ich gelernt“, sagte Michi leise, „dass auch Piloten Hilfe brauchen. Fluglotsen, Techniker und viele andere arbeiten mit ihnen zusammen.“
„Genau“, sagte Lina.
„Und genauso ist es bei dir. Du musst nicht alles allein schaffen.“
Michi nickte.
„Mit Freunden, meiner Familie und meinen kleinen ADHS-Tricks kann ich alles lernen.“
Lina lächelte.
„Und morgen wartet bestimmt schon das nächste Abenteuer.“
Mit diesem Gedanken legte Michi sein Modellflugzeug neben das Bett, kuschelte sich unter die Decke und träumte davon, eines Tages selbst als Pilot durch die Wolken zu fliegen.