Herzbehandlung: Bypass, TAVI und Herzschrittmacher
Einleitung
Die moderne Herzmedizin hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Viele Erkrankungen, die früher lebensbedrohlich waren, können heute erfolgreich behandelt werden. Dank moderner Operationstechniken, minimalinvasiver Eingriffe und innovativer Implantate haben viele Patientinnen und Patienten heute eine deutlich bessere Lebensqualität und Lebenserwartung.
Nicht jede Herzerkrankung erfordert eine Operation. Oft helfen zunächst Medikamente oder Änderungen des Lebensstils. Reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus, stehen verschiedene Eingriffe zur Verfügung – vom Herzkatheter bis zur offenen Herzoperation.
In diesem Artikel erfahren Sie, welche modernen Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wann sie eingesetzt werden.
Wann ist eine Herzoperation notwendig?
Eine Operation kommt infrage, wenn das Herz oder die Blutgefäße so stark geschädigt sind, dass Medikamente allein nicht mehr ausreichen.
Mögliche Gründe sind:
- schwere Herzklappenerkrankungen
- hochgradig verengte Herzkranzgefäße
- angeborene Herzfehler
- Herzschwäche
- bestimmte Herzrhythmusstörungen
- Erweiterungen der Hauptschlagader (Aortenaneurysma)
Die Entscheidung erfolgt immer individuell nach gründlicher Diagnostik.
Der Herzkatheter
Der Herzkatheter gehört heute zu den wichtigsten Verfahren der Kardiologie.
Dabei wird ein dünner Katheter meist über die Leisten- oder Handgelenksarterie bis zum Herzen vorgeschoben.
Damit können:
- Herzkranzgefäße dargestellt werden
- Engstellen erkannt werden
- Druckmessungen erfolgen
- teilweise sofort Behandlungen durchgeführt werden
Viele Eingriffe sind heute ohne große Operation möglich.
Ballondilatation und Stent
Ist ein Herzkranzgefäß verengt, kann häufig eine Ballondilatation durchgeführt werden.
Dabei wird ein kleiner Ballon an der Engstelle aufgeblasen.
Anschließend wird meist ein Stent eingesetzt.
Ein Stent ist ein kleines Metallgitter, das das Blutgefäß offen hält und den Blutfluss verbessert.
Die Bypass-Operation
Sind mehrere Herzkranzgefäße stark verengt oder verschlossen, reicht ein Stent manchmal nicht aus.
Dann kann eine Bypass-Operation notwendig werden.
Dabei überbrücken Chirurgen die verengte Stelle mit einem körpereigenen Blutgefäß.
Als Bypass werden häufig verwendet:
- Brustwandarterien
- Beinvenen
- Unterarmarterien
Dadurch kann der Herzmuskel wieder besser mit Sauerstoff versorgt werden.
Herzklappenoperationen
Herzklappen können im Laufe des Lebens verkalken oder undicht werden.
Je nach Befund kommen zwei Möglichkeiten infrage:
Herzklappenrekonstruktion
Die eigene Herzklappe wird erhalten und repariert.
Herzklappenersatz
Die geschädigte Klappe wird ersetzt.
Zum Einsatz kommen:
- biologische Herzklappen
- mechanische Herzklappen
Welche Variante geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter und der individuellen Situation ab.
TAVI – Herzklappenersatz ohne große Operation
Eine der größten Entwicklungen der modernen Herzmedizin ist die TAVI.
TAVI bedeutet:
Transkatheter-Aortenklappen-Implantation
Dabei wird eine neue Herzklappe über einen Katheter eingesetzt – meist über die Leistenarterie.
Der Brustkorb muss dafür häufig nicht geöffnet werden.
Vor allem ältere Menschen mit einer hochgradigen Aortenklappenstenose profitieren häufig von diesem schonenden Verfahren.
Herzschrittmacher
Der Herzschrittmacher wird eingesetzt, wenn das Herz dauerhaft zu langsam schlägt.
Das kleine Gerät wird unter die Haut eingesetzt.
Über feine Elektroden überwacht es den Herzrhythmus.
Falls notwendig, sendet der Herzschrittmacher elektrische Impulse aus und sorgt so für einen regelmäßigen Herzschlag.
Viele Betroffene können damit wieder ein nahezu normales Leben führen.
Implantierbarer Defibrillator (ICD)
Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator, kurz ICD, ähnelt äußerlich einem Herzschrittmacher.
Seine Aufgabe ist jedoch eine andere.
Er erkennt lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und kann sie mit elektrischen Impulsen oder einem Schock beenden.
Dadurch kann er das Risiko eines plötzlichen Herztodes deutlich verringern.
Kunstherz
In sehr schweren Fällen kann vorübergehend ein mechanisches Herzunterstützungssystem eingesetzt werden.
Diese sogenannten Herzunterstützungssysteme helfen dem geschwächten Herzen dabei, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen.
Sie dienen häufig als Überbrückung bis zu einer Herztransplantation.
Herztransplantation
Ist das Herz dauerhaft schwer geschädigt und helfen andere Therapien nicht mehr, kann eine Herztransplantation notwendig werden.
Dabei erhält der Patient ein Spenderherz.
Nach der Operation müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden, damit das neue Organ nicht abgestoßen wird.
Rehabilitation nach Herzoperationen
Nach einer Herzoperation beginnt die Rehabilitation.
Sie umfasst unter anderem:
- Bewegungstherapie
- Herzsport
- Ernährungsberatung
- psychologische Unterstützung
- Schulungen zum gesunden Lebensstil
Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit wieder zu verbessern und das Risiko weiterer Herzprobleme zu senken.
So können Sie Ihr Herz schützen
Auch nach einer erfolgreichen Behandlung bleibt ein gesunder Lebensstil entscheidend.
Empfohlen werden:
- regelmäßige Bewegung
- ausgewogene Ernährung
- normales Körpergewicht
- Rauchstopp
- Blutdruckkontrolle
- Cholesterin im Blick behalten
- Diabetes gut einstellen
- ausreichend Schlaf
- Stress abbauen
Zukunft der Herzmedizin
Die Forschung entwickelt ständig neue Verfahren.
Dazu gehören:
- noch kleinere Herzimplantate
- verbesserte Herzklappen
- robotergestützte Operationen
- moderne Bildgebung
- künstliche Intelligenz in der Diagnostik
- personalisierte Therapien
Diese Entwicklungen sollen Eingriffe sicherer und schonender machen.
Fazit
Die moderne Herzmedizin bietet heute zahlreiche Möglichkeiten, Herzerkrankungen erfolgreich zu behandeln. Herzkatheter, Stents, Bypass-Operationen, Herzschrittmacher, TAVI-Verfahren und Herztransplantationen haben die Behandlung schwerer Herzkrankheiten grundlegend verändert. Dennoch bleibt Vorbeugung der wichtigste Schutz: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, ausgewogener Ernährung und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen kann entscheidend dazu beitragen, das Herz langfristig gesund zu erhalten.